Advent

Kürzlich …
habe ich eine Kerze angezündet. Sie brannte eine ganze Weile. Der flüssige Wachs sammelt sich und oben wird der Rand ganz weich. Ich gehöre wohl zu den Menschen, die dann gerne den Wachs ein wenig kneten, anstatt die Kerze einfach in Ruhe vor sich hin brennen zu lassen. Nicht selten führt das zu Familienkonflikten, denn die eine Hälfte meiner Familie knetet gerne am weichen Wachs herum, die andere Hälfte findet sich damit in ihrem ästhetischen Empfinden eher gestört. Warum knete ich daran herum? Ist es ein kindlicher Spieltrieb, ist es künstlerische Kreativität oder der Versuch, taktil mit der Kerze Kontakt aufzunehmen? – Beides erscheint mir gut für den Advent: Einerseits: In aller Ruhe das Licht in der Dunkelheit brennen zu sehen, ohne irgendetwas tun zu müssen, einfach staunen und geniessen. Möge Gott mich mit seinem Licht beschenken. Und andererseits: Gegenüber dem Licht Kontakt aufzunehmen, mit dem Schönen in Berührung kommen und daran teilzunehmen. Möge Gott mich an seinem Licht im Advent teilhaben lassen, dass auch ich ein wenig «mitscheinen» darf!

Allerheiligen

Kürzlich …

blickte ich auf dieses Bild in der Kirche Bruder Klaus: ein Engel mit Posaune, gemalt von Martin Frommelt. Biblisch ist die Posaune ein Wecker: Laut muss es sein, wenn die letzte Zeit anbricht. Ich stelle mir das vor wie der Wecker am Morgen, der mich viel zu früh aus dem Bett holt. Frommelts Engel hält eine Posaune, fast ein Alphorn. Wenn ich Alphorn höre, dann blicke ich mich automatisch um, schaue auf Berge bis zum Horizont und denke mir: «Eigentlich ist es gut, so wie es ist.» Sollte nun der Engel vom Ende ein Alphorn nehmen, dann denke ich mir: «Eigentlich kommt es gut, so wie Gott kommt.»

Brückenbau

Kürzlich …
fanden in Sevelen verschiedene Veranstaltungen statt, die das Miteinander betonen. Eine Fussgängerbrücke hinüber nach Vaduz wurde feierlich und fröhlich eingeweiht. Es gibt wohl kaum ein schöneres Symbol für die Verbundenheit wie Brückenbau, vielleicht gerade weil eine Brücke zwei Seiten miteinander verbindet, die sonst eben nicht verbunden wären. Das ist wie wenn ich mit einem Menschen spreche, den ich bislang noch gar nicht kenne. Dann haben wir den ökumenischen Berggottesdienst begangen. Mich erstaunt schon, wie Jodlerchor, Berg- und Skiclub und Musikverein und dann noch drei unterschiedliche christliche Gemeinden alle miteinander dies schaffen. Dann ist das Miteinander ein harmonisches Zusammenspiel verschiedener Beteiligter. Und dann gab es einen Spielenachmittag von Familien, deren Kinder gerade zu alt geworden sind für das Wichtelstübli. Das Miteinander, das irgendwo aufhörte, wurde eben an anderer Stelle so weitergeführt. Gerade in einer Zeit, in der Kontakte schwierig sind, auf den Prüfstand stehen oder sich schlicht verändern, da tut es gut zu sehen, wie Verbundenheit gepflegt werden. Da werden Fäden neu verbunden, gut gebündelt und neu weitergeführt.